Offener Brief des Oberbürgermeisters Uwe Conradt

Liebe Fans des 1. FC Saarbrücken, 
vielen Dank für den Offenen Brief zur Baustelle Ludwigspark, den ich ebenso mit einem Offenen Brief gerne beantworte. 

Ich bin seit wenigen Wochen neuer Oberbürgermeister und habe die Baustelle Ludwigspark in einem äußerst kritischen Zustand übernommen. Ich habe in den Wochen vor meinem Amtsantritt angekündigt, dass ich die Baustelle Ludwigspark zur Chefsache machen werde. 

Dies habe ich getan. Heute will ich darüber informieren, was ich bislang getan habe. Es ging in den letzten Wochen darum, mir schnellstmöglich einen Überblick über die Baustelle zu verschaffen und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit der FCS wieder schnellstmöglich im Ludwigsparkstadion spielen kann. 

Ich informiere hiermit auszugsweise über Vorgänge seit meinem Amtsantritt am 1. Oktober: 

Ich informiere hiermit auszugsweise über Vorgänge seit meinem Amtsantritt am 1. Oktober:

  • Mittwoch, 2. Oktober: Baustellentermin

    Es ist 8 Uhr: Der erste Arbeitstermin im neuen Amt findet auf der Baustelle Ludwigspark statt. Bei einer Besprechung mit Projektbeteiligten werde ich über die aktuelle Lage informiert. Es zeigt sich, dass es Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Planern, der Bauleitung und dem Bauherrn gibt. Bei der Begehung der Haupttribüne fällt mir auf, dass nur zwei Handwerker in dem Gebäude arbeiten. Mir wird klar, dass die Baustelle in einem höchstkritischen Zustand ist. 

  • Sonntag, 6. Oktober:

    In einer Mail an alle Beteiligten auf der städtischen Seite informiere ich über den aktuellen Erkenntnisstand und fordere von jedem Beteiligten ein Höchstmaß an Einsatz und Zuverlässigkeit, ein Höchstmaß an Verantwortungsbereitschaft und an Miteinander. 

  • Dienstag, 8. Oktober:

    Ich lasse zu einer von mir geleiteten Besprechung mit den Spitzen der Unternehmen der Fachplaner einladen. 

  • Donnerstag, 10. Oktober: Bauzeitenplan

    Ich bekomme den von mir angeforderten Bauzeitenplan zugestellt. Er weist das finale Erstellungsdatum Mai 2020 aus. Allerdings ist der Plan schon älter (26. Februar 2019). 

  • Freitag, 11. Oktober:

    In einer stadtinternen Abstimmungsrunde besprechen wir eine kritische Personalsituation, die nicht nur, aber auch Auswirkungen auf das Ludwigsparkprojekt hat. 

  • Montag, 14. Oktober:

    Es findet die Besprechung mit den Spitzen der Objektüberwachung, des Bauherrn und der Projektsteuerung statt. D.as Thema lautet „Umbau und Sanierung Ludwigsparkstadion" mit dem Ziel „Fertigstellung im Mai" wie im Bauzeitenplan beschrieben.

    Es wird leider schnell offenkundig, dass wir letztlich keine gesicherten Erkenntnisse zum aktuellen Stand bei den Bauzeiten haben und zudem bestehen Unsicherheiten bei der Baukostenplanung. Bei den Planungen wird klar, dass zumindest manche nicht aufeinander abgestimmt sind. Ein Problem, das schon länger bekannt ist, aber weiterhin besteht. Es.gibt daher dringend notwendige Umplanungen bei der Technik. Zudem sind die Entscheidungswege viel zu lang. 

    Ich werde informiert, dass auf der Haupttribüne (=Funktionsgebäude bzw. Tribüne Süd) fast alle beauftragten Unternehmen wieder am Arbeiten sind, aber wohl noch mit eingeschränkter Besetzung. 

    Die Arbeiten im Funktionsgebäude sollen geregelt und mit maximaler Besetzung wieder aufgenommen werden. Ich fordere die Objektüberwachung dazu auf, dies mit höchster Priorität zu verfolgen, fordere die Erstellung eines aktuellen Bauzeitenplans ein und erfahre zuden:i, dass die Zulassung im Einzelfall (ZIE) für die Stahl- und•Membranarbeiten noch insgesamt aussteht.

    Zudem müsse die Baustelle eine Wintersicherung erfahren, damit die Arbeiten fortgesetzt werden könnten. Der Wiederaufbau der sanierten Flutlichtmasten wird diskutiert. Entscheidendes und aus meiner Sicht wichtigstes Ergebnis: Man redet nicht nur miteinander, man sucht auch konstruktiv und schnell nach Lösungen. 

  • Dienstag, 22. Oktober 2019:

    Ich erfahre, dass die Stützen für die Dachkonstruktion noch nicht aufgebaut werden können. Es gibt bei den Aufsetzpunkten Abweichungen über den Normbereich. Auswirkungen auf die Bauzeiten stehen noch nicht final fest. Nach weiteren Abstimmungen auf der Fachebene stellt sich später heraus, dass die Verzögerung drei Monate betragen soll. 

  • Mittwoch, 23. Oktober 2019: Baustellentermin

    Es ist deutlich mehr los auf der Baustelle, als bei meinem ersten Besuch - auch im Funktionsgebäude. Mein Eindruck, dass die Unternehmen teilweise nicht mit maximaler Besetzung arbeiten, wird jedoch bestätigt. Es bestehen offenkundig weiterhin Probleme in der Abstimmung zwischen Handwerkern und den Planern. 

  • Donnerstag, 24. Oktober:

    Interne Besprechung, um mir erste Informationen bzgl. des DFB-Genehmigungsverfahren zu geben und des Stadionbetriebs. Verträge mit der CCS und dem FCS sind in Vorbereitung. Allerdings stehen dringende-Entscheidungen mit Blick auf die Vergaben an. 

  • Freitag, 25. Oktober:

    Ich erhalte die von mir gewünschte Übersicht zu noch ausstehenden Vergabeverfahren. Ebenso weitere Informationen zu Historie und Prozessabläufen aus Sicht der beteiligten städtischen Mitarbeiter. 

  • Montag, 28. Oktober: Information an die Öffentlichkeit: Wir befinden uns in einer kritischen Phase

    Für Oberbürgermeister Uwe Conradt hat die Fertigstellung des Ludwigsparkstadions hohe Priorität: „Wir tun alles, um zu ermöglichen, dass der Ludwigspark so früh wie möglich fertig wird. Wir befinden uns derzeit in einer kritischen Phase": sagt Conradt.

    Die Kosten für den Umbau und Betrieb des Stadions belaufen sich auf derzeit mindestens 41 Millionen Euro.
    ,,Für mich ist inzwischen klar, dass im weiteren Umbau noch Unwägbarkeiten stecken. Niemand kann zurzeit sagen, wie hoch die Gesamtkosten letztendlich ausfallen werden. Wir müssen den Umbau des Ludwigsparks zum Abschluss bringen. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir kontinuierlich über den Stand des Projektes informieren", betont Conradt und sagt: ,,Wir können und müssen aus diesem Umbau für künftige Projekte lernen, Handlungskompetenz beweisen und Vertrauen bei allen zurückgewf nnen.

    Der Oberbürgermeister weiter: ,,Ich habe bereits am ersten Tag meiner Amtszeit erfahren müssen, dass die Baustelle in einem Zustand ist, der ein Handeln erfordert. Seitdem arbeite ich mit Hochdruck an Lösungen, informiere mich. auf der Baustelle sowie in intensiven und konstruktiven Gesprächen mit den Bau-Verantwortlichen über den Projektstand. Der aktuelle Zeitplan gilt nicht mehr als gesichert, er wird derzeit auf Basis des Baufortschrittes überarbeitet und fortgeschrieben. Die Abläufe und Entscheidungen der Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern. Die Projektbeteiligten und ich sind uns einig, dass wir nun gemeinsam nach vorne blicken müssen. Das Wichtigste ist, die Baustelle winterfest zu machen und die Arbeiten beschleunigt voranzubringen. Weitere Bauverzögerungen würden nur zusätzliche Kosten verursachen. 

  • Dienstag, 29.Oktober 2019: Stadtratssitzung

    Der Stadtrat beschließt auf meine Empfehlung hin eine Erhöhung des Budgets um zwei Millionen Euro. Hierin auch Mittel für Nachträge, Umplanungen und Unvorhergesehenes. Zudem gibt der Stadtrat eine Millionen Euro für den Spielbetrieb frei. Es wird ein neuer stellv. Werkleiter bestellt. GMS ist wieder handlungsfähig.

  • Mittwoch, 6. November 2019:

    Interne Besprechung zum Thema Spielbetrieb und Genehmigungsverfahren. 

  • Freitag, 8. November 2019: - Landespolizeipräsidium (LPP}

    Ich habe um eine Besprechung mit dem LPP bzgl. Lu Pa gebeten, da in der Vergabeübersicht Spielbetrieb bzgl. der Sanierung der Arrestzellen ausgewiesen war, dass die Grundsatzentscheidung ausstehend sei. Es gibt aus Sicht der Landespolizei keine andere Lösung als den Neubau 􀀉iner Polizeiwache mit Arresträumen, die Umsetzung der bestehenden Planung hierfür wird nachfolgend eingeleitet. 

  • Sonntag, 10. November:

    Positive Nachrichten vom Membrandach: ein großer Teil der geforderten Nachweise liegt nun für die Genehmigung im Einzelfall vor. 

  • Dienstag, 12. November: Gesamtterminplanung Umbau und Sanierung Ludwigsparkstadion

    Ich weise in der Besprechung mit den Spitzen der Objektüberwachung, des Bauherrn und der Projektsteuerung darauf hin, dass die Inbetriebnahme des Stadions zur nächsten Spielzeit 2020/2021 das Ziel ist, das unter allen Umständen sichergestellt werden muss. In diesem Zusammenhang verweise ich u. a. auf die Tatsache, dass im Saarland keine weitere drittligataugliche Spielstätte existiert, so dass der Verein auf ein funktionsfähiges Stadion zu Beginn der Spielzeit 20/21 zwingend angewiesen ist. 

    Es werden eine Reihe an zeitkritischen Vorgängen besprochen, darunter der Zeitverzug im Gewerk Stahlbau- und Membrandacharbeiten, die Herstellung der Nebengebäude, die Projektierung von Beschallungsanlage und die „Stadionregie". Es wird der Entwurf eines aktualisierter Bauzeitenplans vorgelegt und auf dessen Basis mögliche Beschleunigungsmaßnahmen erörtert. Diese Maßnahmen werden zurzeit eingepflegt. Ziel: Schnellstmögliche Fertigstellung und Inbetriebnahme des Stadions. 

  • Dienstag, 19. November:

    Es stellt sich hera·us, dass die Sanierung der Flutlichtmasten teurer wird und zudem länger dauert, da im unteren Bereich (etwa 30 Zentimeter) die Bleche der Masten nicht mehr die erforderliche Stärke aufgrund von Rost aufweisen. 

  • Donnerstag, 21. November: Baustellenbesuch

    Auf der Baustelle wir unter Volllast gearbeitet. Immerhin 10 Unternehmen mit 50 Mitarbeitern. In einem Vor-Ort-Termin zusammen mit der Feuerwehr werden der Brandschutz und die Sanitätsräume im Stadion thematisiert. Im Ergebnis muss die neue Polizeiwache um einen Sanitätsraum erweitert werden und die Kommunikation der Feuerwehr im Funktionsgebäude des Stadions nachgebessert werden, damit die Feuerwehr dem noch zu erstellenden Sicherheitskonzept zustimmen kann. 

  • Samstag, 22. November: Offener Brief der Fanclubs

    Hier meine Antworten auf Basis der aktuellen Erkenntnisse zu den Fragen und Einschätzungen: 

    • Fans: Vorwurf „Salamitaktik" 
      • Antwort: das ganze Team und ich arbeiten jeden Tag mit Hochdruck an Lösungen, ·leider hat man aber auch den Eindruck, dass jeden Tag ein neues Problem auftritt.
    • Wie geht es nun weiter?
      • Wir arbeiten alle aufkommenden Probleme ab und werden alles, was nötig ist tun, damit das Stadion schnellstmöglich fertig ist. Es ist wirklich noch viel zu tun.
    • Was soll sich bis Februar verbessern, dass die Stahlkonstruktion angebaut werden kann?
      • Ich habe mit dem ausführenden Unternehmen Kontakt aufgenommen, um deren Einschätzung zu bestehenden Hindernissen zu erhalten. Ich habe .gleichzeitig auf die Bedeutung des Projekts hingewiesen und die schnellstmögliche Ausführung erbeten.
    • Werden die Betonteile erneuert?
      • Nein, dies ist nicht notwendig.
    • Was bedeutet dies für die Finanzierung und für die rechtzeitige Fertigstellung?
      • Es hat in erster Linie Auswirkungen die am Dach nachgelagerten Maßnahmen (Stichwort: Zeit).
    • Ist nur eine Tribüne betroffen, oder alle?
      • Soweit ich weiß, die Ost- und die Westtribüne.
    • Da sie mehrfach angedeutet haben, den Stadionumbau zur Chefsache zu machen, erwarten
      wir von Ihnen, dass Sie zeitnah zu einem Treffen mit der Fanszene und den bisherigen
      weiteren Gesprächspartnern einladen.
      • Sehr gerne. Ich werde Anfang kommender Woche zu einem Austausch einladen.
    • Uns ist durch die Gespräche mit der Stadt bewusst, dass die Dächer Teil der Genehmigung
      sind, insbesondere im Zusammenhang mit dem Lärmschutz. Wir fordern Sie aut schon ietzt
      Alles in die Wege zu leiten, im Falle der Nichtfertigstellung der Dächer bis zum Sommer, den
      Spie/betrieb ab der neuen Saison sicherzustellen.
      • Daran arbeiten wir. Die Dächer sind aber selbst in der jetzigen, verschobenen Planung mit einer Fertigstellung vor Spielbetrieb vorgesehen.
    • Sorgen Sie für Transparenz gegenüber der Fanszene des 1. FC Saarbrücken. Auch wenn es Probleme gibt. Wir sind iederzeit gesprächsbereit.
      • Ich denke, die Transparenz ist nun hergestellt. Die Einladung zum Stadionbesuch folgt. Ich bin ebenfalls jederzeit gesprächsbereit.
  • Fazit

    Liebe Fans des FCS, 

    mein Team und ich arbeiten jeden Tag daran, dass unser Stadion endlich fertig wird. Die Baustelle habe ich in äußerst kritischen Zustand bei Amtsübernahme vorgefunden. Es ist mir gelungen, dass nun wieder unter Volllast gearbeitet wird. Allerdings tauchen fast täglich neue Probleme auf, deshalb kann ich auch den bei den Fans vorhandenen Frust gut nachvollziehen. 

    Fakt ist aber auch: Ich kann heute noch nicht abschließend sagen, wann das Stadion fertig ist. Mir ist klar, dass wir diese Frage so schnellstmöglich klären müssen. Der Verein und ihr braucht Planungssicherheit. 
    Es gibt aber derzeit keine andere Lösung, als die aufkommenden Hindernisse zu beseitigen, die Baustelle in Betrieb zu halten und alles dafür zu tun, damit sie schnellstmöglich fertig wird.

    Ich will, dass ihr wisst, dass daran hier im Rathaus mit Hochdruck gearbeitet wird. Ich brauche und bitte für die vor uns liegende Etappe aber auch um euer Vertrauen und um Unterstützung, lasst uns diese Strecke gemeinS"am gehen. 

Viele Grüße