Stellungnahme des Oberbürgermeisters Uwe Conradt (19.1.21)

„Ich bin seit einem Jahr und drei Monaten neuer Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken und habe die Dauerbaustelle Ludwigspark in einem äußerst kritischen Zustand übernommen. Ich habe das Projekt direkt eng geführt – so eng, wie ein neuer OB in der Startphase dies leisten kann - es war gelungen die stillstehende Baustelle in Bewegung zu setzen, mit dem vorhandenen Team und den vorhandenen Plänen. Bei aller Freude über manchen Projektfortschritt – so konnten bspw. die Probleme bei der Montage des Daches gelöst werden - zeigte sich zahlreiche neue Probleme (Rasen, Polizeiwache, Kioske, Kühlkapazitäten, Technik im Hauptgebäude u. v. m.). Nachdem die Corona-Pandemie unsere Stadt erreichte, stand das Krisenmanagement ganz oben auf der Agenda. Anfang Juni konnte ich dem Projekt wieder deutlich mehr Zeit widmen und es wurde klar, dass wir Veränderungen brauchen, der Karren wesentlich tiefer im Dreck steckte, als ich zu Beginn meiner Amtszeit vermutete.

Weil Planungen nicht fertiggestellt waren und Ausschreibungen nicht erfolgen konnten oder diese mangelhaft waren. Ich habe bereits im Juli darauf hingewiesen, dass es grundlegende Planungsdefizite gibt, die immer wieder in dem Projekt zu Verzögerungen und Kostensteigerungen führen, aber ich habe Konsequenzen gezogen und den Fans das Versprechen gegeben, dass der FCS noch im Jahr 2020 in den Ludwigspark zurückkehren wird – dieses Ziel wurde deutlich erreicht.

Auch nachdem der FCS in den Ludwigspark zurückgekehrt ist, ist die Baustelle weiterhin Gegenstand der öffentlichen Berichterstattung. Überrascht kann hierüber nur sein, wer die Baustelle nicht kennt. Diese andauernd negativen Botschaften sind für die Fans des FCS schwer zu ertragen und ich würde auch gerne auch dafür sorgen, dass sie aufhören, aber dies wird auf absehbare Zeit nicht der Fall sein. Die Altlasten müssen nach und nach abgearbeitet werden. Vor uns liegt noch ein langer und steiniger Weg.

Die zurückliegenden Planungs- und Umsetzungsdefizite hatte ich bereits im Juli als Kern-Problem der Baustelle Ludwigsparkstadion benannt. Ich hatte zugleich betont, dass grundlegend falsche Weichenstellungen zu Problemen auf der Baustelle führen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft weiter neue Probleme auftauchen werden. Das alles gilt weiterhin.

Ich habe im Juli auch angekündigt, dass wir Transparenz schaffen werden und die Vorgänge aufarbeiten werden, dabei geht es mir nicht darum einen Schuldigen zu suchen, es geht vor allem darum, aus diesem Projekt für künftige Bauvorhaben zu lernen.

Ich möchte heute eine erste Einschätzung zu aktuellen Problemen auf der Baustelle geben.

Es besteht ein Nässeproblem auf dem Rasen, die Gründe für die Nässe sind derzeit noch nicht geklärt. Zum Einbau des neuen Rasens ist zudem ein Gerichtsverfahren anhängig, welches, die Inbetriebnahme der bereits im Spielfeld befindlichen Rasenheizung erschwert. Ich bin auch traurig, dass das letzte Heimspiel des FCS abgesagt werden musste. Die aktuelle Rasensituation ist für uns ebenso wenig zufriedenstellend wie für den 1. FC Saarbrücken und dessen Fans. Natürlich arbeiten wir jetzt auch an den neuerlichen Rasenproblemen im Stadion mit Hochdruck. Wer bzw. welche Umstände die Mängel hervorgerufen haben, wird möglicherweise erst das laufende Rechtsverfahren klären. Das neue Rasenproblem steht derzeit sicherlich im Fokus, es ist aber bei weitem nicht das einzige Problem auf der Baustelle.

Wir haben bereits mehrfach öffentlich auf die Altlasten hingewiesen. Die Liste ist lang. Dass nicht an ausreichend Lager- und Kühlkapazitäten für Bier und andere Getränke gedacht worden war oder die Probleme mit der Technik in den Nebengebäuden sind nur zwei Beispiele, die Nachbesserungen notwendig gemacht haben. 

Martin Welker (GIU) und unser Gebäudemanagement- das auch eine neue Leitung hat - haben auch bereits mehrfach in den Gremien der GIU und der Stadt darauf hingewiesen, dass aus unserer Sicht bauliche Mängel vorliegen. Während man manche beseitigen kann, kommen andere hinzu. Aktuell haben wir Kenntnis von folgenden Mängeln: In die Kioske hinter der Westtribüne dringt Wasser ein. Es gibt ein mangelhaftes Lüftungsrohr, das durch die Südtribüne ins Funktionsgebäude führt und dieses mit Frischluft versorgen soll. Es sind nur zwei Beispiele dafür, vor welche Herausforderungen die fehlerhaften Planungen der Vergangenheit das aktuelle Team stellen. Ein weiteres Beispiel für Mängel aus Sicht der Landeshauptstadt ist ein undichtes einbetoniertes Fallrohr der Dachentwässerung, das durch das Funktionsgebäude geleitet wird. Höhenversprünge bei Fertigteiltreppen, flächendeckende Überschreitungen der Leibungsmaße der Türen sind nach Meinung der Bauexperten der Landeshauptstadt weitere Beispiele für Mängel.

Ein grundlegender und schwerwiegender Planungsmangel war aber auch, den Rasen aus Kostengründen zu erhalten und nach Abschluss der Arbeiten wieder benutzen zu wollen. Das hat Zusatzkosten verursacht. Fast vier Jahre lang wurde um den alten Rasen rumgearbeitet, mussten Bauabläufe umständlich so koordiniert werden, dass der Rasen unangetastet bleibt, eine Rasenheizung war in den Kostenkalkulationen gar nicht vorgesehen.  Die Rasenheizung sollte später nachinstalliert werden – ebenfalls ein Vorhaben, das aus heutiger Sicht zum Scheitern verurteilt gewesen war. Als man sich kurzerhand entschloss die Rasenheizung flächig zu verlegen, war dies die einzig sinnvolle Option. Um eines klar zu sagen: Ich will nicht behaupten, dass auf Seite der Stadt keine Fehler passiert sind, aber was ein beauftragtes Fachunternehmen erkennen muss, wenn es einen Auftrag annimmt, scheint aus heutiger Sicht bedauerlicherweise nur durch das laufende Rechtsverfahren abschließend zu klären sein.

Ein weiterer Fehler war, dass jahrelang niemand gemerkt hatte, dass die Tribünen offenbar ca. 30 zu tief gebaut wurden und somit der alte Rasen zu hoch lag – und schließlich über die neue Spielfeldumrandung herausragte. Warum der Baugrund nicht etwas höher gewählt wurde, ist somit eine wichtige Frage, die sich inzwischen stellt. Etliche Arbeiten wären deutliche weniger umfangreich ausgefallen. Dass nun etwa noch Grund der Vorfläche West abgetragen werden muss, um die dort vorgesehenen Aufstellflächen herzustellen, wäre vermeidbar gewesen. Es müssen Tonnen von Erdmassen bewegt werden, was unnötige Kosten verursacht.

All diese Altlasten und Mängel werden teure Nachbesserungsarbeiten notwendig machen. Welche Kosten diese nach sich ziehen und wer für diese aufkommt, muss geklärt werden – notfalls auch juristisch. Lieber einige ich mich aber ohne Gerichte.

Und dass aus diesen Gründen auch niemand sagen kann, wie hoch der Baupreis am Ende tatsächlich sein wird und wann die allerletzten Arbeiten im Park abgeschlossen sind, habe ich ebenfalls in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht.

Wir stehen erst am Anfang der Aufarbeitung. Diese Aufarbeitung ist aufgrund ihrer Vorgeschichte und Altlasten eine Mammutaufgabe. Es gibt noch viele unbeantwortete Fragen, etwa wie es zu der Kostenexplosion kommen konnte. Bis wir alle Antworten haben, wird es noch eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Diese Baustelle wird uns noch lange beschäftigen. Die Erfahrung zeigt, dass uns dabei noch weitere Überraschungen bevorstehen könnten.

Ungeachtet all dieser Probleme bleibt es im Sinne des FCS und seiner Fans unsere oberste Priorität, den dauerhaften Spielbetrieb im Park zu gewährleisten. Den Dialog mit den Fans möchte ich gerne wieder intensiveren.“